The Blog

Aphrodisias

Geschichte von Aphrodisias

 Aphrodisias war nach Aphrodite benannt, Göttin der Natur, Liebe und Fruchtbarkeit. Die meisten antiken Quellen zählen Aphro­disias zu den Städten Kariens, d.h. eines Ge­bietes im Südwesten der heutigen Türkei. Die Stadt befindet sich aber auch nahe der Gren­zen des antiken Lydien im Nordwesten und Phrygien im Nordosten. 

Der Kult der Göttin, wie auch immer ihr ur­sprünglicher Name lautete, hatte zweifellos sei­ne Wurzeln in vorgeschichtlicher Zeit. Neue­re Ausgrabungen haben gezeigt, daß die Stät­te vermutlich schon im späten Neolithikum be­siedelt war, dann, nach einer Unterbrechung, im Chalkolithikum neu besiedelt wurde und sich in der Bronze – und Eisenzeit weiter ent­wickelte (etwa 4360-546 v.Chr. Die verhält­nismäßige Nähe des Mäanders (türkisch Büyük Menderes) und seines fruchtbaren Tales spielte eine wichtige Rolle im frühen Wachs­tum der Siedlung. Die archäologischen Fun­de der beiden künstlichen Bodenerhebungen (höyüks), nämlich des Akropolishügels und des Pekmezhügels, weisen auf ein oder zwei Dörfer, die von Ackerbau lebten. Eine Fülle von Keramik und anderen Gebrauchsgegen­ständen zeigt Verbindungen zu den benachbar­ten anatolischen und ägäischen Siedlungen wie Hacilar, Beycesultan, Kum Tepe, Kusura und Troja.

Zeugnisse für die Geschichte der archai­schen und klassischen Zeit in Aphrodisias sind unklar, aber sie sprechen für eine langsame Entwicklung im Tempelgebiet und um die Akropolis herum. Wie schon erwähnt, führte die Befestigung der Römerherrschaft in Klein­asien zur Entwicklung des Heiligtums zur Stadt und zur Annahme des Namens Aphro­disias. Im 3. Jh. wuchs der Ruhm des Aphro­ditekultes, der Besucher von nah und fern an­zog. Vor allem wuchs auch der Ruhm der Bild­hauerschule von Aphrodisias. Schon seit dem 1. Jh.v.Chr. hatten die reichen Marmorbrü­che des Salbakos-Gebirges (Baba Dag) unmit­telbar nordöstlich der Stadt Bildhauer zur Schaffung qualitätsvoller Werke aller Art an­geregt: Statuen, Reliefs, Porträts, Sarkopha­ge und dekorative Skulpturen, die bald in Rom und anderswo im Mittelmeergebiet gefragt wa­ren. Auch für literarische, wissenschaftliche und andere intellektuelle Tätigkeiten wurde Aphrodisias bekannt. Im ersten Jahrhundert schrieb Xenokrates medizinische Abhandlun­gen. Chariten war der Autor einer der frühen antiken Romane (2. Jh.n.Chr.), Alexander war der fähigste Kommentator und Lehrer der Werke des Aristoteles, über die er — im spä­ten 2. Jh. — Vorlesungen in Athen hielt.

Der Sieg des Christentums im 4. Jahrhundert führte zur Einrichtung eines Bischofssitzes, was aller­dings die tiefen Wurzeln einer heidnischen Vergangenheit nicht so bald zerstörte. Immer­hin werden der Stadt zwei christliche Märty­rer zugeschrieben, und ihre Bischöfe beteilig­ten sich an den theologischen Disputen und Häresien über die Natur Christi, die die frü­hen christlichen Jahrhunderte plagten. Doch überlebte auch die heidnische Philosophie in Aphrodisias. Der Neuplatoniker Asklepiodotos (aus Alexandrien) scheint einer der Wohl­täter der Stadt im späten 5. Jh. gewesen zu sein. Doch war die neue Ordnung entschlos­sen, alle Spuren des Heidentums zu verwi­schen. Der Name Aphrodisias und die davon abgeleiteten Wörter wurden fast systematisch von den meisten Inschriften getilgt. Im 7. Jahrhundert wurden Versuche gemacht, die Stadt Stauropolis (Stadt des Kreuzes) zu nen­nen. Doch verschwand der Name Aphrodisias nicht gänzlich. In byzantinischer Zeit kam aber der Name Karia für die Stadt, die wei­terhin der Hauptort des Gebietes war, in Ge­brauch. Höchstwahrscheinlich leitet sich der türkische Name des Dorfes Geyre von diesem byzantinischen Namen ab.

Die geologische Beschaffenheit des Gebie­tes führte dazu, daß die Stadt von zahlreichen Erdbeben heimgesucht wurde. Einige aus der früheren Kaiserzeit, über die wir entweder von antiken Historikern oder Inschriften Kenntnis haben, mögen schwer gewesen sein.

Stadtmauern,   Stadtplan  und Aphroditetempel

Die Mauern gehören zu einem Befestigungs­ring von etwa 3,5 km. im Umkreis, mit Tür­men und mindestens vier Toren an den Kar­dinalpunkten. Diese Umwallung, die ein Ge­biet von 494 Hektar einschließt, wurde im We­sentlichen im 4. Jahrhundert und später er­baut.

Der Aphroditetempel im Norden war der Brennpunkt der antiken Stadt, so wie er es mit seinen noch aufrechten 14 Säulen auch heute ist. die Umwandlung des Tempels in eine christliche Basilika im späten 5. Jahrhundert hat seine frühen Formen wesentlich verdun­kelt. Bei der Umwandlung wurden Wände der Cella, wo sich die Kultstatue befand, entfernt. Die Front und einige der seitlichen Säulen wur­den versetzt, und eine Nord- und Südmauer wurden errichtet, um einen dreischiffigen Raum zu schaffen. Im Osten und Westen wur­den eine Apsis und ein Atrium angelegt. Der heidnische Tempel war anscheinend ein Oktostylos mit 13 Säulen an den Langseiten. Er wurde unter Augustus (nicht im 2. Jahrhun­dert, wie vor unseren Grabungen angenom­men) vollendet. Das Temenos hingegen erhielt seine Form unter Hadrian. Viele seiner Bauteile wurden beim Umbau zur Kirche wieder verwendet.

Aus der Mitte des 2. Jahrhunderts. (Das Wort bedeutet vierfa­cher Torweg, von tetra- = vier und pylon = Tor). Seine genaue Beziehung zum Temenos ist noch ungeklärt. Es besteht aus vier Reihen von je vier Säulen. Der Hauptzugang war im Osten, von der Nord-Südstraße her. Sowohl die Ost – als die Westfassade hatten Schrägkannelierte korinthische Säulen, die einen Gie­bel mit einer halbkreisförmigen Öffnung tru­gen. Dieser Öffnung entsprach eine Lunette über den Mittelsäulen der mittleren Reihen. Die Öffnung im Westgiebel war von Reliefs mit Niken und jagenden Eroten zwischen Akanthusranken flankiert.

Das Odeon und der bischöfliche Palast

Ursprünglich war das Odeon überdacht. Die oberen Sitzreihen stürzten wahrscheinlich bei dem Erdbeben des 4. Jahrhunderts ein. Die Folgen der Überschwemmungen, die durch dieses Erdbeben verursacht wurden, sind in der Orchestra, oberhalb der acht erhaltenen Sitzreihen, sichtbar, wo Wasser immer noch in das Becken einsickert, das durch die Ent­fernung von mindestens zwei unteren Sitzrei­hen geschaffen wurde. Das halbrunde Becken diente dazu, das Wasser, das die Fundamente des Gebäudes bedrohte, zu sammeln, so daß man es manuell ausschöpfen konnte. Der Bo­den des Beckens, mit opussectile bedeckt (jetzt gehoben), war kleiner als das Halbrund der Orchestra, so daß ein ungedeckter Rand blieb, durch den das Wasser in das Becken einfließen konnte. Das pulpitum der Bühne war durch die Änderungen ebenfalls betroffen. Zum Glück wurden viele der Statuen, die in den Ni­schen der Bühnen wand standen, bei den Aus­grabungen gefunden. Sie sind jetzt im Mu­seum aufgestellt. Sie waren entweder auf den Pulpitumboden oder in die Orchestra gefallen. Der Korridor hinter der Bühne öffnete sich nach Süden auf einen von Säulenhallen um­gebenen, an die Nord-Porticus der Agora an­grenzenden Platz, wo Statuen von angesehenen Bürgern der Stadt standen.

Nordwestlich des Odeons, an seine Rück­wand angelehnt, befindet sich eine runde Plattform auf Stufen mit einem in der Mitte in den Boden eingelassenen Sarkophagkasten. Dies war das Grabmal eines angesehenen Bür­gers. Nördlich davon befand sich vielleicht ein Gymnasium, bevor das Odeon gebaut wurde. Im 4. Jahrhundert war dort eine Bildhauer­werkstatt, wie man aus den zahlreichen vol­lendeten und unvollendeten Bruchstücken von Skulpturen schließen kann, die hier gefunden wurden.

Westlich des Odeons liegt ein ausgedehnter Gebäudekomplex mit einem Triconchos und einem Peristylhof (dessen blaue Marmorsäu­len 1965 wieder aufgestellt wurden) sowie Wohnquartieren. In spätrömischer Zeit war dies vielleicht der Wohnsitz des örtlichen Gou­verneurs. Später wurde der Komplex zum Pa­last des Bischofs von Aphrodisias umgewandelt.

Das Stadion

Das Stadion liegt im Norden der Stadt und ist wahrscheinlich das best erhaltene Gebäude seiner Art im Mittel­meergebiet. Es ist 262 m. lang und 59 m. breit, halbkreisförmig an beiden Enden und konnte etwa 30.000 Zuschauer fassen. Die Langseiten sind leicht elliptisch geformt, so daß die Zuschauer dort einander nicht die Sicht auf die halbrunden Enden verdeckten.

Das Stadion war ursprünglich für sportli­che Vorführungen benutzt. Aber als das The­ater durch das Erdbeben des 1. Jahrhunderts schwer beschädigt wurde, benutzte man das östliche Ende für Circusspiele und Tierhetzen. Die Arkaden und Mauern oberhalb der Sitz­reihen im Nordosten bildeten einen Teil des Befestigungssystems der Stadt. Das ganze Sta­dion wurde in die Verteidigungsanlagen ein­bezogen, als die Stadtmauer rund um Aphrodisias gebaut wurde. Wenn es außerhalb der Umwallung geblieben wäre, hätte man es leicht als Angriffspunkt gegen die Stadt benutzen können.

Tags: , , , , , , , , ,

No comments yet.

Leave a Comment

Remember to play nicely folks, nobody likes a troll.