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Wussten Sie …

… wie ein Nachlass
bei den Osmanen aussehen konnte?
… wie das Sprichwort entstand: “Dem Günstling des Schicksals verhilft sogar eine Laus zu seinem Glück”

Zurzeit Süleyman des Prächtigen, also im 16. Jh., lebte ein Vezir (Minister) der es zu größtem Reichtum in der Geschichte der Osmanen brachte. Er hieß Rüstern Paşa, wurde in Kroatien geboren, als Jüngling entfuhrt, beschnitten und an den Hof nach Istanbul gebracht. Hier erfuhr eine gründliche Ausbildung, die ihm schließlich sogar den “Vezir” Titel einbrachte, gleichzeitig entsandte ihn der Sultan als Regierungspräsidenten nach Diyarbakir.

Im Jahre 1539 vermählte ihn der Sultan mit seiner Tochter. Um diese Vermählung rankt sich eine lustige Geschichte, die der Türkei sogar eines ihrer Sprichworte einbrachte: “Dem Günstling des Schicksals verhilft sogar eine Laus zu seinem Glück.” Osmanisch: “Olucak bir kişinin bahti kavi talii yar. Biti dahi mahallinde anın işine yarar.” Türkisch: Ballı adamın üzerinde bit çıksa işine yarar, anlamındadır.

Als am Hof bekannt wurde, dass die Tochter des Sultans mit Rüstern Pascha vermählt werden solle, verbreiteten Neider die eilige Nachricht, dass Rüstern Paşa sich in Diyarbakir mit Aussatz infiziert habe. Süleyman der Prächtige ließ einen Hofarzt befragen, wie man feststellen könne, ob Rüstern an Lepra leide. Ein weiterer Arzt wurde zu Rate gezogen, der sich umgehend auf den Weg nach Diyarbakir machte. Es war zu überprüfen, ob sich in der Wäsche des Paschas Läuse befänden, denn nach damaligem Volksglauben meiden Läuse Aussätzige.

Da es Läuse in der Wäsche gab, fand die Vermäh¬lung statt und im Jahre 1544 stieg Rüstern Pascha sogar zum Grossvezir auf. In seiner fünfzehnjähri¬gen Dienstzeit füllte er nicht nur die Staatskassen, er ließ in Istanbul, Rusçuk (Bulgarien) und Rama (Syrien) Moscheen, Medressen und Armenküchen bauen. Seinen persönlichen Nachlass schätzte man grob auf fünfzig Millionen Goldstücke. In der Liste des Historikers Ibrahim Peçevi Efendi reihen sich 815 Landgüter, 476 Wassermühlen, 1700 Sklaven, 2900 Pferde, 1106 Kamele, 100 versilberte Pferdesättel, 500 mit Gold und Edelsteinen ver¬zierte Sättel, 2000 Panzer- oder Kettenhemden, 1500 versilberte Turbanagraffen, 150 Paar goldene Steigbügel, 760 Schwerter mit Brillanten verzier¬ten Knäufen, 100 silberne Speere, 33 besonders wertvolle Brillanten, deren Wert auf 11,2 Millionen Akçe (1 Akçe = die damalige kleinste Silbermünze = 1/10 krş), 800 handgeschriebene Korane, 5000 handgeschriebene Bücher, 100 Silberbarren im Wert von ungefähr 100 Millionen Akçe, außerdem wertvolle Teppiche und Bezugsstoffe, ca. 80000 Wickeltücher für Turbane, goldenes und silbernes Tisch- und Küchengeschirr, chinesisches, japani¬sches und türkisches Porzellan, elfenbeinerne und goldene Schachfiguren, die teilweise mit Edelstei¬nen verziert waren, und goldene und silberne Kerzenleuchter aneinander. Der Schlusssatz der Liste lautete, dass Dinge, die nicht aus edlen Materialien gefertigt wurden, nicht aufgeführt sind.

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